vor einigen tagen musste ich fluchtartig die stadt verlassen. der grund war eine (fast) verschlafene finale prüfung mit ungewissen ausgang, welche über die nächsten monate entscheiden würde.
also schnell den rucksack zusammengepackt, richtung autobahnauffahrt geeilt und em erstbesten zugewunken mit halbwegs entsprechendem kennzeichen. der junge man nahm mich auch gern und gleich mit, wir erzählten über zukunft, ausbildung, außendienstarbeit und und und.
… die krise? --- in der kommunikationsbranche ist davon nichts zu merken.
nach etwas über einer stunde, steige ich aus, verabschiede mich lieb und schüttele nocheinmal den kopf über die geschwindigkeit, mit der man vw-sprinter über autobahnen jagen kann.
der nächste ist ein dresdener außendienstarbeiter. wir reden über seinen sohn, der kaum ein jahr jünger ist als ich und ich versuche den mann zu motivieren, seinem sohn zu sagen, dass er jetzt ausziehen soll und auf eigenen füßen stehen. klappt dann nicht.
… die krise? --- deutliche umsatzeinbrüche in der industriellen innenstattungsbranche (verkauf von regalen, werkbänken, gaderoben und anderer ausstattung in food, science und service)
riesige raststätte nun und ich sehe in der ferne einen mann, der die radmuttern an seinen reifen nachzieht. ich nehme mir vor nicht einzusteigen. dann tue ich es doch, weil er genau an der abfahrt vorbei kommt, zu welcher ich möchte.
und dann lästern wir um ie wette über die schlechtigkeiten in der politik, dem gesundheitssystem und ebenso in der direkten krankenbetreuung/-versorgung. alles betrüger --- sagen wir zwar nicht, aber ich gebe anhand simpler beispiele zu bedenken, welche menschen denn in ärztlichen positionen häufiger anzutreffen sind. mindestens sehr amüsant also und die fünfjährige tochter auf dem beifahrersitz malte und plapperte mit.
… die krise? --- haben wir nicht drüber gesprochen, weil wir anderes hatten. ich habe auch gar nicht rausgefunden, was er genau arbeitete
naja. dann kam noch eine kurze abfahrt-stadt-mitnahme, zwei nächte bei dem besten menschen der welt und bald die rückreise.
diese begann an einem mcdonalds, welches wie überall in sachsen als sozialer treffpunkt nr.1 galt.
von da sah ich irgendwann – bei langsam einsetztendem regen – ein corsa mit vielversprechendem kennzeichen und zwei jungen frauen. ich gab alles was ich konnte um sie nett anzugrinsen und konnte mit.
nach dem einsteigen gibt es den heftigsten wolkenbruch, den ich in diesem jahr erlebt habe. zum glück sitze ich im auto. auf der autobahn kann man kaum mehr sehen, und fast gar nicht fahren vor lauter regen. trotzdem überleben wir es.
und dann kommt es --- die andere krise --- musik. beim ersten lied von roland kaiser dachte ich ja noch an einen kleinen spaß. aber als dann auch noch santa maria und andere folgten, wurde mir ganz unwohl. noch zwei minuten haben sie bis zur vereinbahrten raststätte und die nutzen sie für ein gespräch über die neuesten ard-daily-soaps.
ich steige mit erleichterung aus.
krise…? nee. und sonst auch kein gesprächsthema. die haben sich auf ihre zweisamkeit beschränkt.
weiter geht es mit einem geschäftsmann aus dem spreewald, der offensichtlich gerade an seinem haus baut. zwei kinder, frau daheim, und so weiter. ganz nett mehr nicht.
und die krise…? --- 60% umsatzeinbußen in der autozuliefererbranche.
armer mann. aber es erholt sich wohl.
noch ein letztes mal umsteigen nehm ich mir vor und steige nicht bei den zwei jungen männern im vw-bus (neues modell sei dazugesagt) ein, die einfach so anhalten, die türen aufmachen, freiräumen und mich gar nicht zur frage kommen lassen, wo sie hinfahren.
ich muss dann absagen. vom autobahnring aus kommt man immer schwer in die stadt.
zwei minuten später hält wieder ein auto. ich winke, die zentralverriegellung geht auf und ein älterer herr schaut mich nett an. bis in die stadt geht es und das einzige manko ist seine leise stimme. er erzählt von seiner langjährigen tätigkeit beim tüv als chemiker, erzählt mir, was in dem kanal fließt, der sich in der nähe schlängelt und setzt mich an der s-bahn ab. wunderbar. danke.
krise…? als rentner, der wie ströbele aussieht und damals an truppen- und katastrophenübungen des warschauer paktes teilnahm (unweit von berlin – simulation eines atomschlages) – macht ihm sowas nichts aus. wir kamen auch nicht dazu.
fazit: die flucht war gut. jetzt sitze ich und lerne, weil die initiale klausur gut ausging.
es geht in viel zu schnellen schritten auf das erste staatsexamen zu. weder staat noch examen find ich toll. aber muss ja irgendwie…
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