give me your heart…

Eine stichprobenhafte Umfrage meinerseits führte mich auf den Weg eines Mythos, der viele an der Bereitschaft zur Organspende zu hindern scheint. Und dieser Mythos muss ausgeräumt werden. Mit folgender Feststellung:

Die Kliniken in denen Spenderorgane entnommen werden, erhalten keine extra Bezahlung für die Organe, d.h. es gibt KEINE Provision.

Allgemein kann man sagen, dass die Kosten, die mit einer Organtransplantation verbunden sind, gänzlich von der Krankenversicherung des Empfängers übernommen werden. Das bedeutet im einzelnen, dass die Kasse sowohl die Personal- und Materialkosten für die Entnahme des Organs, Transport und schließlich auch die Transplantation und anschließende Therapie bezahlt.
Dabei ist dies wirtschaftlich günstiger als eine Organerstatztherapie (z.B. Dialyse bei Nierenversagen) durch geringere Folgekosten und eine günstigere Prognose für den Empfänger, d.h. ein verlängertes Leben, Unabhängigkeit und geringere Nebenwirkungen als bei einer Ersatztherapie.

Die Feststellung des Hirntodes des Spenders wird durch Ärzte durchgeführt, die nichts mit der Transplantation oder den vermeintlichen Empfängern zu tun haben und auch nicht an der Entnahme der Organe beteiligt sein dürfen.
Ebenso sei gesagt, dass den Angehörigen ein großes Mitspracherecht eingeräumt wird, v.a. wenn kein Organspendeausweis vorhanden ist, oder die Angehörigen nicht über den Wunsch des Verstorbenen informiert sind. Diese Problematik wird auch mit der neuen Regelung zur Organspendeerklärung fortbestehen.

Mehr zur Organspendebereitschaft findet sich auf folgenden Seiten und überall sonst:
Ablauf und Prozedere bei der Organspende und -transplantation
wiki Transplantation
wiki Hirntod
Heart in a Box – Video
pdf: Studie zur Organspendesituation in deutschen Krankenhäusern

emergency room

man glaubt ja gar nicht,
… wie viele menschen von anderen menschen gebissen werden.
… dass man sich beim treppensturz einzig und allein die augenbraue aufschlägt (fast als hätte man geboxt)
… dass das kleine töchterchen ohne fingerkuppe tapferer ist als der papa, und alles sehen will was am fingerchen genäht wird
… und schlussendlich fahrradfahren ohne helm wirklich dämlich ist. und mehrere mützen übereinander sind auch kein helm.

killerbakterien… tzzzzzzz

Nachdem die Regierung, vertreten durch Bild und BZ, den Verzehr von Gemüse gänzlich verbietet und der Spiegel dazu übergeht aus der Abkürzung E-H-E-C gleich ein neues Wort zu schaffen und Ehec nunmehr kleingeschrieben wird, was vielleicht noch gefährlicher klingt, empfehle ich vorab das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Instituts.
Welche Zahl mir dort auf der letzten Seite ins Auge springt, ist nicht der Unterschied von 7 HUS zu 9 HUS (Anzahl Erkrankungen in der den Wochen 1-17 des Jahres 2010, bzw. 2011) sondern eine ganz andere Erkrnakung, die aber leider schon letztes Jahr ihren großen medialen Auftritt hatte und – ich kann es nicht mit Zahlen belegen – zweifelsohne auch schon mehr als 4 Tote in diesem Jahr gefordert haben wird: Die Influenza!

Neuerkrankungen 17. Kalenderwoche 2011: 27
Krankheitsfälle (1.-17.KW 2011): 43.460
Krankheitsfälle (1.-17.KW 2010): 2.934
Krankheitsfälle (1.-52.KW 2010): 3.468

Fällt etwas auf?

Abgesehen davon möchte ich ja gar nichts sagen: Blutiger Durchfall ist schlimm und das mögliche Nierenversagen zweifelsohne eine haarige Komplikation. Aber wieviele Verkehrstote gibt es im Jahr, die sicher nicht alle fahrlässig gehandelt haben?
Ich verstehe die Aufregung nicht ganz. Platz eins in der Tagesschau während sich in Fukushima Atomkerne spalten…
Im Übrigen gibt es neben dem EHEC noch EPEC, ETEC und EIEC…

feinste unterschiede

nun — nach einem viertägigem hygienepraktikum sollten eigentlich alle medizinstudierenden kapiert haben, dass einweghandschuhe nicht zwangsläufig steril sind. trotzdem kann man damit wohl nochmal die vene tasten, die man mit zitternden händen und – als wäre die butterflynadel aus reispapier – äußerst zaghaft zu punktieren gedenkt. nochmal drüberdesinfizieren? von wegen.
aber immerhin zugehört, dass man oberflächliche venen benutzt. nur ein bisschen penibel gewesen – 10mikrometer unter der haut mit einer nadel, die zwischen den fingerspitzen hin und her wackelt, (wehe sie zerbricht!!!), entlang schaben könnte ja als neue technik bald in einem wichtigen journal publiziert werden…
natürlich kam kein blut. gar keins. nur jetzt eine entzündung bei mir. merci.
ich könnte die ganze zeit nur mit dem kopf schütteln. warum habt ihr nicht einfach biochemie studiert? oder phytophysiologie?

famulieren…

zwei stunden im op assistiert und ich bin hochentspannt. was besseres kann ich mir gar nicht vorstellen. dafür war die restliche zeit der famulatur alles andere als das non-plus-ultra.
zwar kann ich inzwischen SVES von VES im EKG unterscheiden und weiß inzwischen auch präziser, was sinusrhythmus bedeutet (das regelmäßige vorhandensein von p-wellen), aber insgesamt war alles eher runtergefahren auf ein bisschen im sprechzimmer dabeisitzen oder eben zwischen den stühlen von arzthelferinnenschaft und ärztinnen. das ist nie so angenehm.
die entscheidung steht fest: auf keinen fall praxis. never ever.
da ist zuwenig zeit, das zu tun, was der großteil der patient.innen will: zuhören. damit wäre den meisten sicher mehr geholfen als mit spritzen oder der sonstwievielten röntgenkontrolle eines arthrotischen gelenks oder oder oder…
im moment noch zuviel diffuses jammern. das lernt man übrigens als erstes. und das obwohl die arbeitsbedingungen und -belastung im vergleich zum krankenhaus deutlich geringer ist. strukturiertes gejammer folgt aber noch.

blickdiagnosen…

Sogenannte Uhrglasnägel und hochrote Gesichter zählen zu den häufigsten Beobachtungen meiner U-Bahn-Fahrten. Erstere können ein Zeichen sich entwickelnder Bronchialkarzinome oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, ebenso aber auch angeboren. Achtet man ein bisschen darauf, ist es erstaunlich, wieviel man entdeckt.
Ebenso stark gerötete Köpfe bei älteren – in der Regel übergewichtigen – Menschen, die auf Bluthochdruck hindeuten können. Oder eben eine anstrengende Sportstunde kurz vor dem Betreten der U-Bahn.
Im Sprechzimmer der Famulaturpraxis wird es dann aber noch spannender, weil es deutlich mehr zu beobachten gibt. Eine wahrscheinliche Hyperthyreose bei einer quirligen, unruhigen, fast abgemagerten jungen Frau, die es aber ablehnt, die entsprechenden Medikamente zu nehmen --- ein häufiges Phänomen: die Hyperthyreose, also Überfunktion der Schilddrüse, führt oft zu einer Erhöhung des Energieumsatzes im Körper, somit kann mehr gegessen werden ohne Zuzunehmen, oder gleich viel gegessen werden und es kommt zum Gewichtsverlust; bei Therapie der Überfunktion kommt es dementsprechend regelmäßig zu einer Gewichtszunahme und verstärkten Müdigkeit/Schlappheit im Vergleich zum früheren Zustand. Dies ist auch ein häufigere Grund für die Einnahme von stimulierenden Schilddrüsenhormonen unter Angehörigen medizinischer Berufe, birgt aber zweifellos auch Risiken, wie jede andere nichtindizierte Medikamenteneinnahme.
Noch stereotyper wird es bei einem in die Jahre gekommenden Boxer, der zwar keine zu großen Hirnschäden davon trug, nun aber an typischen Herzproblemen leidet, die eine vorangegangene Einnahme von Dopingmitteln mehr als wahrscheinlich macht. Tun kann man hier nicht viel.
Oft muss man leise im Kopf wiederholen:

Diagnose „psychisch bedingt“ ist immer Ausschlussdiagnose!

… denn es verleitet einen selbst immer wieder dazu, rein psychische Ursachen anzunehmen, spätestens wenn die Symptome sehr unspezifisch sind und aus der Anamnese und dem Redebedürfnis eine starke psychische Belastung hervorgeht. Zu leicht fällt man in Stereotype – weil das auch durch die epidemiologischen Angaben in den Lehrbüchern propagiert wird. Zu Gallensteinleiden heißt es da zum Beispiel: fat, fertile, female, fair, forty. Also übergewichtige, weiße Frauen in ihren vierzigern mit Kindern. Das ist in der Regel in Studien empirisch belegt, verschließt aber den Blick auf andere Personengruppen, die nicht unter die oben genannten 5Fs eingeordnet werden können.
So muss man sich hüten vor zuvielen Verallgemeinerungen. Es geht doch immer wieder um den konkreten Menschen, nicht um die Erkrankungswahrscheinlichkeit eines bestimmten Personenkreises.

nebenbei…

ungünstig ist es natürlich dann schon, wenn aus dem angeblich hyperaktiven kind ein junger jugendlicher mit herzfehler wird, da die nebenwirkungslisten der medikamente n+1 seiten umfassen. 14jährige sollten auch zum pädiater gehen. weder zum allgemeinmediziner und schon gar nicht hauptsächlich zum psychiater. aber da redet man gegen wände…

primum non mördere

erkenntnisse aus der famulatur:
- hat man den ganzen tag das dumpfe gefühl, zu wenig blut abzunehmen, dann hat man auch tatsächlich röhrchen nr 7 und 8 vergessen :/
- handschuhe beim umgang mit fremden körperfüssigkeiten stören natürlich den reibungslosen ablauf. genauso wie kurze fragen und ein scherz mit den „blutspendern“. richtig machen das nur die arzthelfer.innen

olfaktorisch nicht wahrnehmbare flatulenzen


via blog.esowatch.com/

der spiegel…

… wenn der fünfte artikel auf der startseite – inklusive bild – sich aufgepimpte rollatoren zum thema nimmt, dann ist das ende vermeintlich näher als man denkt:

Neuerdings gibt es die Geräte auch mit boxhandschuhähnlichem Frostschutz für die Finger. „Ich nehme lieber einen anderen, das passt sonst nicht zu meinem Outfit“, sagt Ruth Pfeiffer, die eine fuchsiafarbene Jacke zu ihrem ferrariroten Modell trägt.

„Und Sie wollen also Medizin studieren? “ III

Das Verfassen des Motivationsschreiben war nicht gerade die angenehmste Angelegenheit, obwohl ich mich heute – drei Jahre danach – nicht mehr daran erinnern kann. Lese ich es heute, so klingt es doch recht theatralisch, auch wenn einige Aspekte der medizinischen Ausbildung erwähnt werden. Es ging und geht mir eben nicht nur ums „Menschen helfen“.
Damals hatte ich natürlich auch im Internet geschaut, ob es irgendwelche Inspriationsquellen in Form von anderen Motivationsschreiben gäbe. Nichts zu finden. Nur ein lapidarer Kommentar: „Wir mussten das damals auch machen… auch allein.“
Naja --- meines würde ich nun auch nicht online stellen. Am Ende kopiert es noch jemand und wird dann nicht genommen. Auf jeden Fall sollte man sich aber wohl auf eine Seite Text beschränken und nicht zu sehr auf die Tränendrüse drücken. Ein bisschen Selbstreflexion mag auch nicht schaden und es mag eine kühne Vermutung sein, aber einige Professor.innen freuen sich sicher eher über Wissenschaftsambitionen als einen weiteren Dermatologen oder eine weitere Augenärztin. Ganz sicher weiß man es aber eben nie. Die Unis sind da auch eher schweigsam, vor allem, was die genauen Auswertungsverfahren usw. angeht.
Mir sei auch noch diese Anekdote gestattet: Es wurde ein Passbild verlangt! Abgesehen davon, dass ich das als nicht notwendig erachte, hatte ich keines und machte mich nun auf den Weg, einen Passbildautomaten zu finden. Das dauerte ewig und das Ergebnis entsprach meinen psychischen Zustand – ziemlich abgekämpft und durch den Wind. Sollte also jemand für sich selbst wirklich Wert auf ein Superfoto legen, dann besser vorher – deutlich vorher – zum Profifotografen. Vielleicht auch mit fliegendem silbrig schimmernden Einhorn im Hintergrund.
Die Aufregung stieg von Tag zu Tag, ich versuchte mich im Internet über die Fakultät zu informieren und überlegte kurz, sogar Jahreszahlen auswendig zu lernen. So groß war mein Fanatismus aber doch nicht. Andere haben das sicherlich getan.
Übrigens empfehle ich sich mal das ominöse „Omentum majus“ zu Gemüte zu führen und möglichst auch die „Radix mesenterici“. Wer das schon kennt und einordnen kann, hat definitiv einen Vorteil. Und sollte das jemand noch unauffällig in das Gespräch einbauen – dann können die dich nur noch nehmen! Ohne Widerrede oder Bedenken!

„Und Sie wollen also Medizin studieren? “ II

Nun studierte ich mehr oder weniger im geisteswissenschaftlichen Bereich. Ein paar Wochen habe ich durchgehalten. Zum Schluss war es nur noch ein Sprachkurs und ein oder zwei spannende Seminare. Alles ohne Ambitionen oder wirklichen Willen, weiter zu machen. Die neue ZVS-Bewerbung war abgeschickt, die Chancen schienen anfangs mehr als gut. Es sollte ohne größere Probleme klappen mit dem Medizinstudium.
Ich buchte für die anstehenden ersten Semesterferien einen Flug so weit in den Osten, wie ich nie zuvor gekommen war. Sogar ein Visum war nötig. Ein paar Wochen vor Abflug erhielt ich wiedermal Post von der ZVS. Eine Einladung! Aber nicht direkt zur Immatrikulation, sondern zu einem Auswahlgespräch. Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. Eigentlich hätte ich den Platz direkt bekommen müssen. Zumindest nach dem Schema, nachdem ich die vorherigen Auswahlgrenzen analysiert hatte und mir so zum Sommersemester also wirklich sicher war.
Aber doch wieder warten. Und da ich es oben schon erwähnte – natürlich musste ich auch Umbuchen. Auswahlgespräche lassen sich nämlich nicht verschieben, wie mir jemand an der Telefonhotline mitteilte.
Jetzt waren es noch zwei Wochen bis zum Auswahlgespräch – in meinem Kopf tausende Fragen. Nicht von mir selbst, sondern an mich. Was würden die wohl alles fragen. Was könnte noch schlimmes kommen. Was sage ich, warum ich kein Pflegepraktikum gemacht habe, sondern studiert in den letzten Monaten? Es gab keine ruhige Nacht mehr. Und das, obwohl mir alle erzählten, dass ich das schaffen würde. Immerhin dies zum ersten Mal.
Vorher herrschte allgemeiner Zweifel: „Mit deinem Durchschnitt? Wird echt schwer…“
Laut der Einladung, benötigte ich einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und mindestens ein Passbild. Außerdem natürlich Zeugniskopien und die Einladung selbst. Acht Uhr sollte ich dort sein und unter Umständen mit einiger Wartezeit rechnen.

„Und Sie wollen also Medizin studieren? “ I

… für die, die warten und zittern oder hoffen. Eine Geschichte aus dem Medizinstudium in mehreren Teilen…

„Ja, ich will.“ Ich wollte das schon eine ganze Weile und auch wirklich wirklich. Also eigentlich bestand für mein künftiges Leben keine andere vorstellbare Perspektive. Zumindest solang noch Kapitalismus war oder ich keine Photosynthese betreiben konnte oder im Lotto gewonnen hätte.
Denn warum sollte man arbeiten, wenn es nicht nötig war… – nur darum soll es jetzt nicht gehen.
In einer ruhigen Stunde hatte ich mich also gefragt, was ich aus meinem Leben machen wollte und mich für das Ärztinsein entschieden.
Sicher. Ich hätte auch vieles anderes machen können. Dumm war ich ja nicht.
Aber: Jura wär zuviel Anbiederung und Abkotzen auf Deutschland geworden; Lehramt – nocheinmal in die Schule zu gehen konnte ich mir unter keinerlei Umständen vorstellen; Büroarbeit hatte und hat für mich intrinsischen Foltercharakter und eine weitere Aufzählung soll hier erstmal nicht erfolgen.
Es hieß also nur noch warten, bis das Abitur überstanden war und dann Bewerbungen abschicken. Die ZVS-Webseite kannte ich schon in- und auswendig, wusste ziemlich genau, welche Kurse ich in der Sekundarstufe II machen musste und welchen Durchschnitt ich bräuchte, um an bestimmten Universitäten eine Chance zu haben. Ich hatte allen erzählt, dass ich Medizin studieren will und werde und das am besten an der Uni mit diesem wohlklingenden Namen. Letzteres aber eher aus dem Grund, da es Berlin zum Leben sein sollte.
Das Abi hatte ich dann irgendwann. Bioleistungskurs war nahezu perfekt – alles andere eher nicht so gut. Hätte ich eventuell Lernen sollen?
So geschah es, dass es natürlich für das kommende Wintersemester kaum Chancen auf einen Platz gab. Höchstens über Losverfahren und dann an irgendeiner Uni in irgendeiner Stadt, die ich vielleicht außer vom Namen her gar nicht kannte. Ich hoffte, wie das jeder hin und wieder macht, auf einen Fehler im Computersystem der ZVS. Oder eine Unregelmäßigkeit in der Matrix. Erst viel viel später traf ich Urlaub eine Medizinstudentin aus Deutschland, die über das Losverfahren Glück gehabt hatte. Jetzt müsste sie gerade im PJ sein.
Selbstverständlich kam die Ablehnung für das Semester. Trotzdem ging ich nach Berlin. Ein medizinfremdes Bachelorstudium konnte man ja einfach mal ausprobieren. Immerhin ging es um Bafög und das ganze Geld vom Staat, um weg-aus-der-Tristesse und um studieren an sich. Um Berlin und noch vieles anderes…

physikum

ich würde sagen, dass die vorphysikumszeit die zweitschlimmste zeit in meinem leben war. der permanent hohe adrenalin- und cortisolspiegel macht einen verrückt. ebenso wie die panikattakten, albträume und wasweißichwasnoch – und das habe ich von zuvielen menschen gehört.
glücklicherweise wird es an mehr und mehr universitäten abgeschafft. es ist ohnehin kein indikator, der irgendwas anderes aussagen kann, als dass jemand mehr oder weniger gut auswendig lernen kann, dazu noch glück bei den themen hatte und einen ganzen sommer samt lebenszeit geopfert hat.
es ist jetzt aber vorbei.
ich habe richtige patient.innen gesehen. und genau das wollte ich ja. darauf habe ich seit studienanfang gewartet und das war auch der einzige grund, dass ich diesen sommer überstanden habe. neben dem immerwährenden guten zureden von allerlei mitmenschen, denen ich aber nie richtig glauben konnte.
das musste jetzt gesagt werden. und dann wird es bald klinikberichte geben. natürlich alle nur ausgedacht ;)
und hoffentlich auch ein bisschen mehr politik. die ist nämlich gänzlich hinten runter gefallen…
abgesehen davon habe ich mich gefragt, ob es regelmäßige blogleser gibt…

kein pneu…

… das physikum kommt näher und näher und ich glaube meine nebennierenrinden sind einfach derart ausgesaugt, dass es weder adrenalin noch noradrenalin oder cortisol mehr in meinem körper gibt. aber ist das möglich? eine frage für die prüfer_innen…….
dafür schließt das wohl einen pneumothorax aus. das einzige noch bestehende problem ist der muskel- und konditionsverlust nach tagen des lernens, rumliegens, prokrastinierens und nebenbei naschens.

die geschichte überhaupt

… es gibt so geschichten, die erzählen irgendwelche absolut coolen dozent_innen mal und man weiß nie, ob es nun passieren kann oder nicht.
das ist ähnlich wie mit den meisten nicht-erblichen erkrankungen, die man auch alle irgendwann mal durchmacht oder zumindest vermutet.

aber zur geschichte. ich habe also stress. ungefähr so, dass, sobald ich an den auslöser denke, mein puls in die höhe schnellt, mir übel wird und ich eigentlich am liebsten wegrennen würde. sowas nennt man moderate prüfungsangst und ist zweifelsohne verbunden mit einer erhöhten cortisonausschüttung im körper. der ist kurzfristig ja auch nicht so schlimm…
besagter dozent erzählte aber, einer seiner studienkollegen hätte ebenso viel stres gehabt und irgendwann sei er nicht mehr die treppe hochgekommen, weil er keine luft mehr hatte.
diagnose: pneumothorax. also ein loch in der lunge durch das heruntergesetzte immunsystem und den stress (so oberflächlich hielt sich seine erklärung) und so fiel eine lunge zusammen. einfach so.
gruselig, oder?

und genau das macht meine angst noch größer.
vielleicht würde ich es nichteinmal merken, weil ich ja nicht im 5. stock wohne. vielleicht atme ich schon nur noch mit einem lungenflügel.
ohjee….

das wäre übrigens der richtige zeitpunkt für einen ersten kommentar und beruhigende worte.

videolink

folgender beitrag, den ich über stationäre aufnahme gefunden habe, ist auf jeden fall sehens- und überdenkenswert.
ganz erschrocken bin ich bei der szene auf dem markt, wo mensch einfach so blutzucker und blutfettwerte bestimmen lassen kann.
gibt es 100 meter vorher eine eisdiele, werden die alle zum arzt rennen und nach diabetesmedikamenten verlangen.
aber vielleicht eignet sich das als geschäftsidee. in den sommerferien stell ich mich mit einem kleinen tischlein und gemieteten blutzuckermessgerät in die supermall und biete tests für 3€.
dann seh ich blut, verdiene geld und schüre unruhe in der bevölkerung. genau das, wonach es mir ist, wenn ich an das erste staatsexamen in ein paar tagen denke…

„Wir haben keinen Bock auf so etwas!“

haben wir wirklich nicht.

(siehe hier )

SanOA

Eine der ekligeren Mitbegebenheiten meines Studiums besteht darin, dass unter den Studierenden mindestens eine Handvoll an Soldat_innen pro Semester ist. Die tragen weder Tarnanzug, noch die Ausgehuniform oder wenigstens ein aufgesticktes Namensschild oder Schulterstücke, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat. Einzelne sieht man in Springerstiefeln, aber mehr ist da nicht zu haben.
Und so heißt es irgendwann: „Was? Das wusstet ihr nicht? … blablabla.“ und dann schüttelt es mich.
aber zuerst: SanOAs sind Offiziersanwärter_innen, die sich das Studium der Medizin/Zanhnmedizin/Pharmazie/o.ä. durch die Bundeswehr finanzieren lassen. Nicht dass das andere Studierende nicht täten – immerhin ist die Ausbildung mit 500.000 Euro die zweitteuerste nach der zum_r Kampfflieger_in, aber ich bekomme keine 1.700€ netto dazu in den Arsch geschoben. Das bekommt niemand sonst.
Nur diese Menschen, die da töten lernen.
Braucht es noch mehr der Erklärung, warum ich das so gräßlich finde?
Ich fange an: diese Leute sind die schlimmsten Staatsbürger_innen, die es gibt. Die töten sogar für ihr „Vaterland“ und es ist mental kaum anders, als „ihre“ Nationalmannschaft als Fan zu unterstützen. So wurde mir das zumindest näher gebracht. Es sei ja „unser“ Land. „Unser“ ein und alles und wäääääääääääääääääh…..
SanOAs verpflichten sich für 17 Jahre, diesem Staat hier zu dienen und für ihn in den Krieg zu ziehen und sein Machtmonopol durchzusetzen und und und… vor ihrem Studium machen sie die übliche Grundausbildung an der Waffe und robben u.U. durch den Wald, wenn nicht während der Musterung irgendwelche gesundheitlichen Bedenken herauszufinden waren. Bedenken hindern die Bundeswehr aber nicht daran, die Leute trotzdem zu nehmen. Werden dann einfach nicht im Ausland eingesetzt. Mehr Bewerber scheint es glücklicherweise nicht zu geben.

Auf dem Campus gab es eine ganze Zeit lang ein Graffitto: Unter einen Helm passt kein Gehirn. Daneben war ein Armeehelm zu sehen. Das ist inzwischen verschwunden. Die Uniklinik forscht schließlich mit.

Da ich rat- und tatlos bin, kann ich nur eines fordern: Uniformpflicht für Militärstudierende. Auch im Sommer.

roland…

vor einigen tagen musste ich fluchtartig die stadt verlassen. der grund war eine (fast) verschlafene finale prüfung mit ungewissen ausgang, welche über die nächsten monate entscheiden würde.
also schnell den rucksack zusammengepackt, richtung autobahnauffahrt geeilt und em erstbesten zugewunken mit halbwegs entsprechendem kennzeichen. der junge man nahm mich auch gern und gleich mit, wir erzählten über zukunft, ausbildung, außendienstarbeit und und und.
… die krise? --- in der kommunikationsbranche ist davon nichts zu merken.

nach etwas über einer stunde, steige ich aus, verabschiede mich lieb und schüttele nocheinmal den kopf über die geschwindigkeit, mit der man vw-sprinter über autobahnen jagen kann.
der nächste ist ein dresdener außendienstarbeiter. wir reden über seinen sohn, der kaum ein jahr jünger ist als ich und ich versuche den mann zu motivieren, seinem sohn zu sagen, dass er jetzt ausziehen soll und auf eigenen füßen stehen. klappt dann nicht.
… die krise? --- deutliche umsatzeinbrüche in der industriellen innenstattungsbranche (verkauf von regalen, werkbänken, gaderoben und anderer ausstattung in food, science und service)

riesige raststätte nun und ich sehe in der ferne einen mann, der die radmuttern an seinen reifen nachzieht. ich nehme mir vor nicht einzusteigen. dann tue ich es doch, weil er genau an der abfahrt vorbei kommt, zu welcher ich möchte.
und dann lästern wir um ie wette über die schlechtigkeiten in der politik, dem gesundheitssystem und ebenso in der direkten krankenbetreuung/-versorgung. alles betrüger --- sagen wir zwar nicht, aber ich gebe anhand simpler beispiele zu bedenken, welche menschen denn in ärztlichen positionen häufiger anzutreffen sind. mindestens sehr amüsant also und die fünfjährige tochter auf dem beifahrersitz malte und plapperte mit.
… die krise? --- haben wir nicht drüber gesprochen, weil wir anderes hatten. ich habe auch gar nicht rausgefunden, was er genau arbeitete

naja. dann kam noch eine kurze abfahrt-stadt-mitnahme, zwei nächte bei dem besten menschen der welt und bald die rückreise.

diese begann an einem mcdonalds, welches wie überall in sachsen als sozialer treffpunkt nr.1 galt.
von da sah ich irgendwann – bei langsam einsetztendem regen – ein corsa mit vielversprechendem kennzeichen und zwei jungen frauen. ich gab alles was ich konnte um sie nett anzugrinsen und konnte mit.
nach dem einsteigen gibt es den heftigsten wolkenbruch, den ich in diesem jahr erlebt habe. zum glück sitze ich im auto. auf der autobahn kann man kaum mehr sehen, und fast gar nicht fahren vor lauter regen. trotzdem überleben wir es.
und dann kommt es --- die andere krise --- musik. beim ersten lied von roland kaiser dachte ich ja noch an einen kleinen spaß. aber als dann auch noch santa maria und andere folgten, wurde mir ganz unwohl. noch zwei minuten haben sie bis zur vereinbahrten raststätte und die nutzen sie für ein gespräch über die neuesten ard-daily-soaps.
ich steige mit erleichterung aus.
krise…? nee. und sonst auch kein gesprächsthema. die haben sich auf ihre zweisamkeit beschränkt.

weiter geht es mit einem geschäftsmann aus dem spreewald, der offensichtlich gerade an seinem haus baut. zwei kinder, frau daheim, und so weiter. ganz nett mehr nicht.
und die krise…? --- 60% umsatzeinbußen in der autozuliefererbranche.
armer mann. aber es erholt sich wohl.

noch ein letztes mal umsteigen nehm ich mir vor und steige nicht bei den zwei jungen männern im vw-bus (neues modell sei dazugesagt) ein, die einfach so anhalten, die türen aufmachen, freiräumen und mich gar nicht zur frage kommen lassen, wo sie hinfahren.
ich muss dann absagen. vom autobahnring aus kommt man immer schwer in die stadt.

zwei minuten später hält wieder ein auto. ich winke, die zentralverriegellung geht auf und ein älterer herr schaut mich nett an. bis in die stadt geht es und das einzige manko ist seine leise stimme. er erzählt von seiner langjährigen tätigkeit beim tüv als chemiker, erzählt mir, was in dem kanal fließt, der sich in der nähe schlängelt und setzt mich an der s-bahn ab. wunderbar. danke.
krise…? als rentner, der wie ströbele aussieht und damals an truppen- und katastrophenübungen des warschauer paktes teilnahm (unweit von berlin – simulation eines atomschlages) – macht ihm sowas nichts aus. wir kamen auch nicht dazu.

fazit: die flucht war gut. jetzt sitze ich und lerne, weil die initiale klausur gut ausging.
es geht in viel zu schnellen schritten auf das erste staatsexamen zu. weder staat noch examen find ich toll. aber muss ja irgendwie…

der lange marsch…

„Metaphern dreschen
Ich will ja nur Notarzt werden, habe ich mir vor dem Studium gedacht. Als Anreiz, dieses 6-Jährige Monster durchzustehen. Mittlerweile kommt mir der ganze Aufwand, die Stoffauswahl des vorklinischen Abschnitts (v.a. Chemie, Biochemie) einfach nur als große Hürde vor. Oder, um es in einer Metapher zu erzählen:
Ein junges Mädchen, an die 18 Jahre, möchte gerne das erste mal mit ihrem Freund schlafen. Brav wie sie ist, frägt sie ihre Eltern, ob das okay ist. Diese sagen “w00piidoo, na klar”. Aber davor muss sie eine Prüfung bestehen. Sie muss sich sechs Monate auf dem Strich prostituieren. Um Erfahrung zu sammeln. Um zu beweisen, dass sie würdig ist.
So ähnlich fühle ich mich mit dem Studium.“

kommt von hier, ein toter blog

heute habe ich meine allerletzte vorklinikveranstaltung.
dann noch vier prüfungen
außerdem mündliches und schriftliches physikum

und dann… ja dann fängt das ärztinwerden an.

Prokrastinieren bis einem übel wird

Nachts im Internet mit dem Ziel, anstehende Prüfungen und die Arbeit einfach zu ignorieren, stößt man ja immer wieder auf so Sachen.
Da fand ich gestern den Weg zu openbook.org/ und musste gleich ausprobieren, was die Suchfunktion hergibt.
Zu einem der aktuellen Themen war das – milde ausgedrückt – haarsträubend – tatsächlich ist mir richtig schlecht geworden. Da schlaue Facebooknutzer ja unter ihren richtigen Namen auftreten, wäre es wohl einfach, sie entsprechend wegen Volksverhetzung anzuzeigen. Oder?

richtung norden

freitag mittag irgendwo kurz vor der autobahnzufahrt aus der großen stadt stehe ich eigentlich nie länger als 10min. diesmal warens gerade 3 ampelphasen, bevor ein „björn“ – wenn ich mich recht entsinne – anhielt und mir im grunde die gesamtstrecke anbot.
tatsächlich bin ich irgendwann vorher ausgestiegen, weil der umweg über frau-auf-dem-dorf-abholen und womöglich noch kaffee-dort-trinken nicht ertragbar gewesen wäre.
vor allem das fünfte: „ihr jungen menschen müsst/sollt/könnt…“ mit einer x-beliebigen ausführung á la „… auf jeden fall studieren und ausbildung machen“ bestärkte mich in meiner entscheidung, zumal ich sehr gut in der zeit lag.
naja. dann kam noch das übliche deutschlandgelaber dazu. „unser“ land, etc. --- immerhin nicht „euer“ und blick zu mir.

so bin ich an einer großen raststätte raus und dann ein paar autos und bald eine ziemlich schick aussehende vw-limousine mit älterem herrn drin. das war deutlich besser als der familienvan und bot auch die genialste gesprächsthemenmischung, die ich mir vorstellen kann: medizin+politik+coole-auto-features (gut – letzteres ist eigentlich nicht so mein spezialgebiet aber die seperat für den beifahrenden einzustellende klimaanlage sowie eine angenehme geräuschkulisse und die vorführung des tempomats mit abstandshalter verzückten mich schon).
es ging also um medizin: ich erkläre dem herren, was mrsa ist, wie man sich das einfängt und das auch „mein“ uniklinikum davor nicht gefeit ist. fand er sehr gut und dann gabs es was chirurgisches und da konnte ich auch erklären. dann folgt eine eher komplizierte fragestellung über organisationsformen in der krankenhaushierarchie, die ich selbst schlussendlich (noch) nicht beenden kann. darauf wollte ich aber heute gar nicht hinaus.
wir kommen auf ihn zu sprechen und erzählt mir, dass er „in finanzen macht“ und das auf höherem niveau und dass die leute
zu ängstlich sind seit der finanzkrise und soviel geld verpasst haben.
nun. der alte herr stellte sich als fränkischer konservativer heraus, verhuntzt den liberalen-slogan „wer als junger mensch nicht links ist, hat kein herz, wer als alter mensch noch links ist, hat kein verstand“ auf eine krude art und weise, aber ich kann es ihm gerade so verzeihen.
das highlight ist schließlich unsere gemeinsame analyse der schröder-ära samt agenda 2010. konsens: nur die sozialdemokraten konnten so einfach diese einschneidenen gesetze auf den weg bringen, untersützt vom „volxkanzler“ schröder und nicht wirklich gehindert durch die damals noch näher zur spd stehenden gewerkschaften.
schließlich bin ich nicht langsamer als die routenplanerprophezeihung und verbringe eins schönes wochenende am meer.

auf dem heimweg entscheide ich mich aus gemütlichkeit für die mitfahrgelegenheit. ein 6-sitziges auto. ich sitze ganz hinten und das sind wirklich nur kinderplätze. ich bin nicht groß und meine beine schon gar nicht lang, aber ich kann mich kaum bewegen.
später vermiese ich dem fahrer die raucherpause als ich ihn frage, ob er professioneller fahrer ist und er unwirsch wird, die kippe wegschnipst, dementiert und zum weiterfahren drängt. erwischt denk ich mir.
da war der hinweg besser.
als er beim bezahlen noch nach trinkgeld fragt, enttarnt er sich selbst. kann er doch auch zugeben. bin ja keine petzte.
wieder ein punkt mehr fürs trampen.

und abgesehen davon: fünfmal 18 euro für eine 350km fahrt macht für den fahrer 90€. nehmen wir an, dass sein auto 10l/100km verbraucht, so müssten die benzinkosten rund 3€ je liter betragen (gerechtigkeit für alle 18€ = 108€. geteilt durch 35l)
tun sie aber ja bekanntlich nicht, oder?
deswegen mag ich mitfahrgelegenheit nicht.

und trauriger wird es nur noch, als ein anderer mitfahrer mich fragt, ob ich den leuten, die mich beim trampen mitnehmen, geld gebe.
arme welt

zeitdruck

ich setze mir in den kopf zum flughafen zu trampen, weil ich zu geizig bin und außerdem manchmal den nervenkitzel brauche. frühs stehe ich an einer stadtautobahnabfahrt und warte keine fünf minuten. erster lift bis michendorf (das ist wohl eine der wichtifgsten trampstellen in und um berlin) und wieder muss ich nichtmal mein schild rauspacken. langsam frage ich mich, ob ich irgendwann noch eine rauchen kann.
also wieder ein lift. mutter mit ca. 14jähriger tochter. beide sprechen mich mit „sie“ an und immerhin darf ich einmal in die gummibärchentüte greifen.
wahrscheinlich sind sie nur ein bisschen neidisch, dass ich jetzt gleichbald in den urlaub fliege…
aber irgendwnan ist es vorbei.
an einer raststätte raus und ich hab mich noch nichtmal richtig hinstellen können, da beuge ich mich weiter zum nächsten autofenster. vertrautes kennzeichen und vertrauter dialekt, dazu eine mittevierzigjährige frau überzeugen mich auf der stelle und ich steige gern ein.
hier sind wir beim du, besonders als ich erzähle, dass ich unter den schlimmsten umständen auch fast diesen dialekt noch sprechen würde und dieses einekleinewinzige örtchen kenne und und und.
wir erzählen über ihre kinder und dann hab ich schon angst, dass die gesprächsthemen ausgehen, aber dann bricht es ausy ihr raus und ich hätte niemals gedacht, dass ich so eine geschichte wirklich selber höre ohne dieses „die schwägerin einer freundin meines arbeitskollegen den ich letztens bei lidl traf…“
- „ich bin gerade in der scheidung. mein mann hat mir erzählt dass er schwul ist.“
das sagt sie ohne einen homophoben unterton oder andere eklige dinge und dann reden wir eine lange zeit darüber, wieso es sie so verletzt; warum er ihr das „angetan“ hat; was sie jetzt machen könnte; und und und.
selbst war ich sehr überrascht, wie aufgeklärt und fair sie das gesehen hat, obwohl der schmerz deutlich zu spüren war. aber das hat liebeskummer in sich.
viel zu schnell lässt sie mich an der gewünschten abfahrt raus und ich laufe ein paar kilometer durch wiesen, felder und an stark befahrenen landstraßen entlang, bis mich jemand ein paar orte mitnimmt und sogar einen umweg fährt und wir kurz politik im üblichen tramperrahmen anschlagen (immerhin kein nazi!) und dann stehe ich nocheinmal kurz und mit einem alten ehepaar in die zielstadt, wo ich auf den flughafenzubringer warte.
dummerweise ist feiertag, ist es eine kleinstadt, gibt es auch bei pizzahut keinen kaffee („automat kaputt“) und ich habe noch vier stunden zeit. es ist eisig kalt an diesem busbahnhof. ich zeige kurz einem ostdeutschen jugendlichen, wie man sich eine zigarette selbst dreht und warte weiter und weiter und weiter.

aber das flugzeug hab ich bekommen.

schokoladenmoleküle

… je näher das erste staatsexamen (gemeinhin physikum, aber darauf hörte ich schon: „na in physik warst du doch immer so gut!“ --- „was hat physik mit medizin zutun?“ --- „ist das so ne art semesterabschlussklausur?“) rückt ja immer näher und klingt natürlich auch böse. allein das wort „staat“ darin… auf jeden fall habe ich furchtbare angst. ganz furchtbare. trotzdem lerne ich nicht, sondern arbeite prekär und von zuhause aus aber ohne latte macchiato; bzw. vertriebe mir die zeit im internet und stieß heute auf folgendes:

di rk Wie kommt es eigentlich, daß man von 300g Schokolade zwei Kilo zunimmt?
ch empro123 Das liegt an der Magensäure…Aufgrund der Anionen und Kationen kommt es zur homolytischen Elektrolyse, bei der aufgrund des Gesetzes von Avogadro eine Dichtenveränderung der Schokoladenmoleköle stattfindet, die, durch die Brownsche Molekularbewegung noch beschleunigt, exponentiell ansteigt und wodurch sich eine Massen und Volumensteigerung ergibt.
di rk …Alter so genau wollt ich das jetzt auch nich wissen…pro
dir k has quit IRC. (Besserwisser-Nerds!)
(von ibash.org)

ich sehe sowas schon aus meinem mund sprudeln zur mündlichen prüfung. oder in abwandlung. und dann werde ich eine bitterböseernste miene aufsetzen.

neuroanatomie

manche fächer machen absolut keinen spaß.
dazu find ich es immer deutlich leichter anhand eines richtigen modells zu lernen und nicht mit abbildungen – wenn sie auch noch so schön sein mögen. also überlege ioch den couchsurfer umzubringen um mir jetzt doch noch zu erschließen, was denn nun an was grenzt und überhaupt.

aber wahrscheinlich werd ich das eh nicht machen, ist ja auch immer ne sauerrei mit dem blut!

dafür frage ich mein eigenes gehirn: warum bist du dir deiner nicht bewusst?
dieses hochkomplexe gebilde sollte doch eigentlich wissen, wie es meine finger zum tippen bringt und meinen magen seit tagen zum unstoppbaren knurren nach mehr nahrung. aber das sagt es mir irgendwie nicht. nichtmal was putamen und und nucleus caudatus machen jetzt gerade in diesem moment. muss ich selber nachdenken oder raten…

achjemineeeee

frauentage

für mich war nicht nur heute ein wichtiger kampftag!

schon seit beginn dieses monats kämpfe ich jeden tag für das wohlergehen der ladies! acht stunden am tag, ohne jede bezahlung und bei persönlichem gesundheitlichem risiko. Gyn(äkologie)!

eigentlich wollte ich schon seit beginn des praktikums spannendes und lustiges erzählen, aber dazu kam es anfangs nicht, da mich die arbeit so fertig machte (die schlafdosis von 10 stunden/tag plötzlich zu halbieren ist kontrainduziert). auf jeden fall kam ich also vor lauter schlafdefizit nicht dazu. und inzwischen werden die lustigen momente fast gänzlich überstrahlt von den tristen, weil bei einigen patientinnen der krebs eben schon zu lang unentdeckt wuchern konnte oder zu aggressiv ist oder nie wirklich behandelt wurde.

der folgende abschnitt ist vielleicht nicht ganz so leicht verdaulich

eine patientin mit einem mehr als faustgroßem roten und exulzerierten (sozusagen aufgerieben und verkrustet) lymphom direkt auf der brust. geistig schon sehr verwirrt, da die nieren kaum mehr funktionierten. sie sieht mich an und fragt mich, was mit ihr passiert. und ich kann kaum darauf antworten und schon gar nichts dagegen tun. und sie hat verletzungen am ganzen körper, weil sie schon vorher immer wieder ohnmächtig wurde und in das glas fiel, dass ihr sekunden vorher aus der hand glitt. und dann wird sie verlegt, weil sie aus eine nephrologische (nieren-) station gehört und ist aus den augen…
eine andere frau ist ebenfalls gegangen. nach hause. sie wird wohl ihre letzten wochen oder monate mit ihrem kleinen kind genießen. sie ist gerade zehn jahr älter als ich.
und dann bin ich bei einer operation dabei und es sollte nur eine zyste am eierstock sein, aber die vielen schwarzen veränderungen im gesamten becken/bauchraum sind keine zysten sondern metastasen. und von denen wusste vorher niemand. auch noch keine 40 jahre alt.

und das ist traurig. wirklich traurig und manchmal kommen mir die tränen…
nur in solchen momenten klingelt es und die patientin sitzt auf dem klo und hat nur ein problem:
„schwester… …. … ich kriegs nicht hin… irgendwas mach ich falsch…“
- „ich würde jetzt reinkommen und Ihnen helfen. ist ist kein problem.“
„jaaa… ich versteh das auch nicht.“
-“wobei brauchen Sie denn hilfe?“
„irgendwie … wissen sie?! … Ich werd einfach nicht sauber.“
-“Bin schon bei Ihnen. Das kriegen wir zusammen hin.“
Und ich stehe in diesen Miniklo und es stinkt natürlich ein bisschen und dann sehe ich, wie die Dame einen Hygienebeutel abreißt. Erstmal denke ich mir nichts dabei. Dann finden wir aber gemeinsam sehr schnell heraus, warum sie nicht sauber wird; lösen das Problem und sie geht zurück in ihr bett.
Jetzt konnte nur eines kommen: Handschuhe an (am besten deoppelt und über die Ellenbogen ziehen) und dann kommen viele viele Hygienebeutel zum Vorschein. Zum Glück kam sie nicht selbst auf die Idee zu spülen…

Ostdeutschland im Februar

Nachdem der 13. Februar in Dresden überstanden war, hieß es nun erneut: ostdeutsche Provinz! Da muss ich hin und wieder vorbeischauen, um nicht jegliche soziale Kontakte zu meiner engeren Verwandschaft zu verlieren und außerdem das Großstadtleben noch mehr schätzen zu können…

Was das an Stress bedeutet, werde ich kurz zeigen:
Richtig beginnt es irgendwo auf der Zugstrecke oder gar in einem Auto, das einen mitnimmt, mit der ersten dialektischen durch Dialekt entstellten Unterhaltung, die entweder an einem vorbeiplätschert oder in die man sogar einbezogen wird.
Dann heißt es: Woher kommen Sie denn? (im entsprechenden Dialekt versteht sich, z.B. Wooo‘är gomm’se denn? / Us welche Ort sin‘ Sie denn? / Sie sind aber nich von der Küstä!? / Wo jenau wohn’se? / usw.)
Nun die Antwort: Naja, inzwischen wohn ich in der großen Stadt, aber eigentlich will ich auch in die gleiche Richtung, weil ich da und da auf der Schule war.
Genau jetzt kommt das beste im entsprechenden, möglichst noch breiteren, oder wenn man bei Geschäftsreisenden mitfährt eher weniger breiten Dialekt, dass man das gar nicht höre und wie das komme und sowieso und überhaupt.
Kann ich inzwischen alles auswendig beantworten und auch das „Nein, auch wenn ich mir Mühe gebe, spreche ich nicht gut schwäbisch/sächsisch/norddeutsch/brandenburgisch – das hab ich nie richtig gelernt und mir dann mit Mühe und immernoch abgewöhnt.“
In X, wo ich solange gelebt habe, angekommen und das Licht auf der Straße geht in anderthalb Stunden aus, weil nach Mitternacht ohnehin niemand mehr draußen ist, aber ohnehin erstmal in den Kühlschrank schauen. Da ist wieder nichts drin, was mich glücklich machen würde, außer zwei einsame Cocktailtomaten und der Seite der obligatorische Satz: „Mensch, bist du dünn geworden, iss mal was!“, demzufolge ich inzwischen eigentlich nichtmal mehr aus Haut und Knochen bestehe, weil ich das jedes Mal höre…
Zur Begrüßung gibt es Schnitzel mit kartoffeliger Beilage und ausgekochten Dosengemüse, weil sonst könnte es zuviele Vitamine haben und eigentlich schmeckt am Gemüse auch nur die Butter, in der man es reichlich einkocht und das Salz.
Nun – das Wochenende kann beginnen. Highlights sind noch
- im alten Dorfkonsum (der aber glücklicherweise volle Regale hat, nicht mehr Dorfkonsum heißt und weit nach der „Revolution“ erst eröffnet wurde) Dinge mit Vitaminen kaufen
- dabei die coolen (und das ist ernst gemeint) Eltern meiner Kindergartenfreunde treffen, mit denen kurz erzählen und feststellen, dass die mit meinen Eltern nichts mehr zu tun haben außer ebenfalls kurz im Konsum treffen und lachend der alten Zeiten gedenken.
- Außerdem doch zufällig jemanden treffen mit dem/der man befreundet war und dann auch Gesprächsthemen hat
- hin und wieder die Jungmütter, die so alt sind wie ich und wo der Freund wieder weg ist (nicht dass ich das für notwendig erachten, die selbst allerdings schon irgendwie) und der nächste einzieht und man immer am Wochennde in die „große“ Stadt in die Disko fährt und mich das eigentlich gar nicht interessiert, weil es mich nie interessiert hat.
Das sind die Highlights und manchmal ist es ja doch ganz schön, weil es auch einen Zentner Knabbereien abends gibt, aber im Regelfall ist es lediglich: anstrengend.

Und ich neheme mir vor, die Besuche auf Weihnachten zu begrenzen, weil es scheinbar wenig zu erzählen gibt miteinander und der Satz fällt, „Wenn du erstmal deinen eigenen Haushalt hast…“, und den habe ich und dann denke ich mir: die haben das Auto und können mal zum Kaffeetrinken vorbeikommen. Ich sitze stundenlang in der Bahn mit Ausblick aufs Niemandsland, bevor ich wieder in der großen Stadt bin und dort nicht alle paar Monate in der Zeitung lese, dass jemand erfroren ist oder einfach so umgekommen, weil bei unbeleuchteten Straßen draußen gewesen und gestürzt und dann im Graben einfach verreckt – sieht ja niemand, weils stockfinster ist.

plazentafood, 3rd

Und um das Thema (1, 2) abzurunden:

Der Fachbegriff für Plazentafresser ist „Placentophage“ und das englischsprachige Wikipedia führt sogar einen kurzen Artikel darüber.
Zwei Theorien über Placentophagie bei Tieren (!) werden angeschnitten:
I – Tiere nehmen über anschließendes Plazentafressen Hormone (v.a. Oxytocin) wieder auf, die für den „Milcheinschuss“ sorgen
II – Placentafood verhindert, dass Fressfeinde vom Geruch der Plazenta/Geburtsabfälle abgelockt werden und dann leckeres zartes Babyfleisch zum Abendessen haben.

These II ist dabei stärker umstritten, da zwar der gewebige Anteil verspeist wird, Flüssigkeit allerdings in den Boden einsickert und dann ggf. weiterhin den Geruch nach zarten Babyfleisch und ausgelaugten Mutterfleisch auströmt.

Auf These I stützen sich auch humane Placentophagen. Dazu muss man sagen, dass: „Bereits wenn sie [die Mutter] den Säugling schreien hört oder an das Stillen denkt, erfolgt eine Ausschüttung von Oxytocin.“ *
Es muss also nicht extra noch zugeführt werden. Außerdem bezweifele ich, dass das Hormon so wie es ist, in den Organismus wieder aufgenommen wird. Dazu ist der pH-Wert im Magen zu gering und die Aminosäuren-spaltenden Enzyme tun ihr übriges um Oxtocin und alle anderen vermeintlich fremden Hormone ihrer urpsrünglichen Funktion zu berauben.

Für ganz tapfere Leser_innen habe ich hier noch ein Video aufgetrieben. Das sollte erstmal das letzte zu diesem Thema sein…

plazentafood the 2nd

Dem Besucherzähler nach, scheinen Plazentarezepte auf großes Interesse zu stoßen.
Ernährungsphysiologisch kann ich zumindest folgendes anmerken:

Eine Plazenta wiegt 450-500 Gramm und besteht – grob gesagt – aus Bindegewebe. Dazu zählen zum Beispiel auch Knochen, Knorpel, einige Organe. Typische Bestandteile sind: Kollagenfasern, elastische und retikuläre Fasern, komplexe Eiweißkohlenhydratverbindungen, Wasser, … also kein Muskelgewebe.
Mithilfe der Plazenta ist ein Stoffaustausch zwischen Kind und Mutter möglich, ohne dass sich deren Blut vermischt. Man kann sich das folgendermaßen vorstellen: Embryonale Zellen fressen sich in die Gebärmutterschleimhaut ein und befestigen den Embryo. An dieser Stelle entsteht dann die Plazenta (aus kindlichem Gewebe). Nun fließt mütterliches Blut in Zwischenräume und umspült die kindlichen Blutgefäße, wodurch Stoffe über Poren/ Transporter/ Kanäle von einem in das andere übergehen können. Die Plazenta selbst speichert also nicht etwa irgendwelche Stoffe sondern ermöglichst lediglich den Stoffaustausch und produziert Schwangerschaftshormone.
So besteht eine nachgeburtsliche Plazenta also aus Bindegewebe und Blut, welches noch enthalten ist.

Die Verfechter_innen von Plazentafood argumentieren nun damit: Man möchte die Energie wieder aufnehmen, die das Kind einem während der Schwangerschaft „entzogen“ hat. Und schließlich würden auch andere Lebewesen ihre Plazenta verspeisen, z.B. Katzen. Katzen essen aber auch erstmal ihr Fell, bevor sie es später wieder hervorwürgen…
Zurück zum Begriff „Energie“ – rein kalorisch betrachtet, ist es besser, einfacher und mit Sicherheit auch schmackhafter, ein Steak zu essen. „Andere“ Energien --- also auf metaphysischer Basis ;) --- … da … nun ja… will ich eigentlich gar nicht argumentieren, es ist einfach Quatsch.

Ich werde diese Menschen weiter beobachten. Allein schockiert hat es mich gestern Nacht als Frau Maischberger in ihrer Show zum Thema Ernährung eine Urkostverfechterin einlud und über Grasfressen schwärmen lies. Derweil andere Expert_innen (und ich ebenso) erschauderten, dass es schlecht sein soll, Nahrung zukochen oder gar abzuwaschen; Argument. „Mutter Natur sei die beste Köchin“… grrrrrrrrrr

Mehr zum Thema Plazentafood, u.a. eine bemerkenswerte Diskussion im Kommentarteil, findet sich im Esowatchblog.

da verschlägt es mir einfach die sprache…

Plazenta mit Brokkoli

Zutaten:

800 g frische, gehackte menschliche Plazenta
1300 g Brokkoli
2 Eiweiss
¼ TL Thymian

Die Plazenta in einem Sieb waschen, es können noch Säfte austreten. Danach das Eiweiß zerschlagen und alle Zutaten mit der Hand vermischen. Die Plazenta in Öl zunächst auf hoher Stufe unter ständigem Rühren anbraten, dann langsam die Hitze runterschalten und köcheln lassen, bis alle Flüssigkeit verkocht ist.

Plazenta Lasagne

Zutaten:

¾ gehackte menschliche Plazenta
2 Knoblauchzehen
½ TL Oregano
½ gehackte Zwiebel
2 EL Tomatenmark
1 Tomate
2 TL Olivenöl

Kurz die Plazenta mit den übrigen Zutaten anbraten, danach einfach euer liebstes Lasagne Rezept nehmen und die Plazenta eine Lage Käse ersetzen lassen.

Plazenta Spaghetti

Zutaten:

¾ menschliche Plazenta, in mundgerechten Stücken
1 Dose Tomatenpüree
2 Dosen Tomaten
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 TL Zuckersirup
1 Lorbeerblatt
1 TL Rosmarin
jew. 1 TL Salz, Honig, Oregano, Basilikum und Fenchel

vielleicht kann ich mich später dazu äußern. im moment bin ich regelrecht paralysiert